Anwendungssprektrum
In absehbarer Zeit werden Tumoren die Kreislauferkrankungen als häufigste Todesursache ablösen. Von den jährlich 425.000 Neuerkrankungen in Deutschland werden mehr als 40 % mit Strahlen behandelt, auch in Kombination mit anderen Therapien.
Neben der Strahlentherapie (Photonen- und Partikelbestrahlung oder Injektion von radioaktivem Material) umfasst das Spektrum der Krebsbehandlung folgende Möglichkeiten:
Operation
Entfernung des Tumors sowie der angrenzenden befallenen Organbereiche und Metastasen
Medikamentöse Behandlung
Chemo- und Hormontherapie, Verhinderung des Wachstums von Blutkörperchen, Krebs- immuntherapie
Ausgehend von den Erfahrungen in den USA ist bei 15 % – 20 % der Krebsleiden mit Bestrahlungsindikation eine Protonentherapie indiziert. Grundsätzlich ist es möglich, die genannten Methoden mit einer Protonentherapie zu kombinieren.
Vorteile der Behandlung
Durch die dreidimensionale Kontrolle der Protonendosierung und die größere Wirkung der Strahlung als bei herkömmlicher Röntgenstrahlung oder Photonen, die durch Linearbeschleuniger erzeugt werden, ist eine optimierte Bestrahlung möglich – bei gleichzeitiger Schonung des umliegenden Gewebes und damit des Patienten. Dadurch wird das Risiko schwerer Nebenwirkungen reduziert.
Protonentherapie – weltweite Entwicklung
Die Protonentherapie kann auf über 50 Jahre Erfahrung zurückblicken. Während Behandlungen anfangs im Rahmen der Forschung ausschließlich in kleineren Zentren (in den USA, Deutschland, Japan, Russland) durchgeführt wurden, wandte man sie ab den 1990er Jahren auch im klinischen Betrieb an (in den USA an den Standorten Loma Linda, CA und Boston, MA). Weltweit wurden bisher mehr als 70.000 Patienten erfolgreich mit der Protonentherapie behandelt.
Auch die Berliner Charité (Augenklinik, Campus Steglitz) in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum Berlin (vormals Hahn-Meitner-Institut) hat bereits Erfahrungen auf dem Gebiet der Protonentherapie bei der Kombinationsbehandlung (Operation und Protonentherapie) von Augentumoren. Der rasante Fortschritt der Technologie ermöglicht nunmehr den großtechnischen Einsatz. Weltweit werden derzeit neue Protonentherapie-Anlagen realisiert. In Deutschland sind solche Einrichtungen in Essen, Berlin, Kiel und Marburg geplant bzw. im Bau.
Welche Patienten profitieren von der Protonentherapie?
Die Strahlentherapie mit Protonen wird weltweit seit 30 Jahren angewandt. Bisher existieren allerdings nur wenige Standorte mit Behandlungsmöglichkeiten. In den letzten Jahren hat die technische Entwicklung jedoch signifikante Fortschritte gemacht, so dass künftig ein vermehrter Therapieeinsatz möglich wird.
In neuen Therapieanlagen können sowohl kleine als auch große Tumoren mit Hilfe von scharf gebündelten Protonenstrahlen besonders exakt erfasst werden. Die Belastung des angrenzenden gesunden Gewebes ist hierbei sehr gering.
Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V. (DEGRO), der Zusammenschluss aller in der Radioonkologie arbeitenden Ärzte, Medizinphysiker und Strahlenbiologen, hat eine Stellungnahme zur Strahlenbehandlung mit Protonen veröffentlicht. Sie informiert über Stand, Entwicklung, Einsatz und Behandlungsvoraussetzungen der Protonentherapie in Deutschland.
Die vollständige Stellungnahme der DEGRO können Sie hier abrufen.